„Get Loud Against Hate“ in Hoya: Festival sorgt für Diskussionen
Mit „Get Loud Against Hate“ wird in Hoya bereits zum dritten Mal ein Musikfestival veranstaltet, das nach Angaben der Organisatoren für Demokratie, Vielfalt und ein friedliches Miteinander werben sowie Radikalisierung entgegenwirken soll. Hinter dem Projekt stehen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den Lehrkräften Sabine Wagner, Milan Meyer und Maik Landsmann. Unterstützt wird die Veranstaltung vom Präventionsrat Grafschaft Hoya.
Musikalisch wird das Festival von der Düsseldorfer Punkrockband „Rogers“ angeführt. Als weitere Hauptkünstlerin ist die Indie-Musikerin Mia Morgan angekündigt. Ergänzt wird das Programm durch „Casino Blackout“, „Bruchbude“ und die Nachwuchsband „Falling Dream“. Eintrittskarten sind online sowie in verschiedenen Buchhandlungen erhältlich. Für Besucher unter 18 Jahren werden vergünstigte Vorverkaufspreise angeboten.
Während die Veranstalter das Festival als Zeichen gegen Hass und Extremismus verstehen, entzündet sich Kritik vor allem an der politischen Positionierung der Band „Rogers“. Die Musiker treten öffentlich gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus auf. Gleichzeitig bezeichnen sie sich selbst ausdrücklich als politisch links.
In einem Interview erklärte Sänger Arthur Noppeney, die Mitglieder der Band seien „ausnahmslos links orientiert“. Außerdem betonte er, die politische Haltung von „Rogers“ unterscheide sich grundsätzlich nicht von derjenigen der Punkband „Slime“, auch wenn beide Gruppen ihre Ansichten musikalisch unterschiedlich zum Ausdruck brächten. Diese Aussage wird unterschiedlich interpretiert. Während manche darin lediglich ein klares antifaschistisches Selbstverständnis sehen, verstehen andere sie als Bekenntnis zu einer grundsätzlich radikalen politischen Haltung.
Gerade der Bezug auf „Slime“ sorgt bei Kritikern für Diskussionen. Die Punkband stand über Jahrzehnte immer wieder wegen ihrer Texte in der öffentlichen Kritik. Kontroversen gab es unter anderem um Lieder wie „Bullenschweine“, „Polizei SA/SS“ oder „A.C.A.B.“, die teilweise indiziert wurden oder strafrechtliche Ermittlungen nach sich zogen. Weitere Debatten entstanden um den Titel „Yankees raus“, dem Kritiker antiamerikanische Aussagen sowie problematische Vergleiche mit der Zeit des Nationalsozialismus vorwarfen. Auch einzelne Liedtexte wurden wegen sexistischer Formulierungen kritisiert. Besonders bekannt ist zudem das Lied „Deutschland muss sterben“, dessen provokanter Titel bis heute kontrovers diskutiert wird. Die Band selbst weist zahlreiche Vorwürfe zurück und verweist auf satirische beziehungsweise gesellschaftskritische Absichten.
Aus Sicht einiger Eltern und Bürger wirft die Auswahl des Headliners Fragen auf. Sie halten es für problematisch, dass ausgerechnet eine Band mit einer eindeutigen politischen Selbsteinordnung im Mittelpunkt einer schulisch unterstützten Veranstaltung gegen Radikalisierung steht. Kritiker vertreten die Auffassung, Präventionsarbeit müsse alle Formen politischer und religiöser Radikalisierung gleichermaßen in den Blick nehmen und parteipolitisch möglichst neutral bleiben.
Zudem wird hinterfragt, ob eine politisch positionierte Punkband die geeignete Besetzung für eine Veranstaltung mit pädagogischem Anspruch darstellt. Nach Angaben von Kritikern werden diese Bedenken in Gesprächen innerhalb der Samtgemeinde Grafschaft Hoya regelmäßig geäußert.
Neben den politischen Diskussionen gibt es auch Kritik praktischer Natur. Einige Schülerinnen und Schüler empfinden den Eintrittspreis als zu hoch. Andere äußern den Eindruck, dass sich das Festival vor allem an bestimmte Gruppen innerhalb der Schülerschaft richte und nicht alle Jugendlichen gleichermaßen anspreche. Damit steht „Get Loud Against Hate“ nicht nur als Musikfestival im Fokus, sondern auch als Gegenstand einer Debatte über politische Neutralität, Präventionsarbeit und die Auswahl der auftretenden Künstler.
